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Warum wir über „Scope 4“ sprechen müssen – und welchen Beitrag Remanufacturing leisten kann

In der Diskussion um Corporate Sustainability dominieren bis heute drei Kategorien: Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Sie erfassen alle direkten und indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Doch wie ein aktueller Forbes-Artikel zeigt, bleibt dabei ein entscheidender Einfluss unberücksichtigt: Emissionen, die durch nachhaltige Maßnahmen gar nicht erst entstehen.
27. Januar 2026
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Ein fehlender Baustein im Emissionssystem: die Idee eines Scope 4

Scope 4 beschreibt genau das, was im aktuellen System fehlt: die Vermeidung von Emissionen durch Wiederverwendung, Reparatur oder Remanufacturing. Während Scope 1–3 messen, was Unternehmen verursachen, könnte ein Scope 4 sichtbar machen, was sie verhindern. Für die Bewertung echter Kreislaufwirtschaft wäre das ein entscheidender Schritt, denn jede verlängerte Produktnutzung spart Ressourcen, Energie und CO, bevor diese überhaupt entstehen.

Unsere Perspektive: Warum Scope 4 unverzichtbar wird

Die Kritik des Forbes-Artikels, dass Emissionsvermeidung regulatorisch kaum Anerkennung findet, kennen wir aus der Praxis. Viele Gesundheitsorganisationen erreichen durch Remanufacturing enorme CO– und Kosteneinsparungen – doch im heutigen Rahmen erscheinen diese Fortschritte häufig unsichtbar.

Hier zeigt sich eine zentrale Lücke: Das bestehende System belohnt Neuherstellung und kompensierende Offsets stärker als echte Vermeidung. Für Vanguard und unsere Partnerkliniken ist Remanufacturing längst ein funktionierendes Scope-4-Modell:

  • Ressourcen werden im Kreislauf gehalten
  • Neuproduktion wird vermieden
  • Abfallströme werden reduziert
  • CO-Emissionen sinken
  • und Zertifizierungsprozesse stellen sicher, dass aufbereitete Produkte maximale sicherheitstechnische Standards erfüllen – ein Punkt, den auch Forbes als entscheidend hervorhebt.

„Der von Forbes vorgeschlagene Scope 4 soll sichtbar machen, welche CO-Emissionen durch nachhaltige Lösungen gar nicht erst entstehen. Auch wenn es dafür bisher keinen eigenen Berichtsstandard gibt, lassen sich diese Einsparungen schon heute anhand konkreter Beispiele nachvollziehbar darstellen“, so Ulrike Marczak, Vorstandsvorsitzende der Vanguard AG.

Warum Scope 4 besonders relevant für die Medizintechnik ist

Kaum eine Branche arbeitet mit so komplexen, präzisionsabhängigen und ressourcenintensiven Produkten wie die Medizintechnik. Hier bedeutet jede Wiederverwendung:

  • weniger globale Lieferketten,
  • weniger Rohstoffverbrauch,
  • weniger Entsorgung,
  • und deutlich geringere Kosten.

Genau diese Kombination macht die Branche zu einem idealen Beispiel dafür, was Scope 4 messbar machen kann und warum wir es dringend brauchen.

Ein neuer Standard für echte Nachhaltigkeit

Der Forbes-Artikel kommt zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeit erst dann skalieren kann, wenn Emissionsvermeidung gleichrangig neben Reduktion und Offsets steht. Aus unserer Sicht geht das noch weiter: Remanufacturing zeigt bereits heute, wie Scope 4 in der Praxis funktioniert.

Was fehlt, ist ein Rahmen, der diesen Beitrag auch sichtbar macht – für Gesundheitseinrichtungen, für Politik und für die Industrie. Scope 4 wäre ein solcher Rahmen: ein transparenter, messbarer Ansatz, der echte Kreislaufwirkung abbildet und die Weichen für ein nachhaltiges Gesundheitssystem stellt.

Mehr Infos dazu im Artikel: https://www.forbes.com/councils/forbesbusinesscouncil/2025/11/06/europe-is-wrong-about-sustainability/

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