Kurz gesagt: Erst Remanufacturing, dann Recycling.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Blick in den Klinikalltag: In einem Klinikverbund in Nordrhein-Westfalen, der Marien Gesellschaft Siegen, wurden zwischen 2021 und 2024 insgesamt 2.938 Produkte aus den Bereichen EP-Katheter, transseptale Nadeln und Ultraschallscheren als aufbereitetes Medizinprodukt eingesetzt. Dadurch konnten ungefähr 1.827 Kilogramm CO2-Äquivalente und 274,6 Kilogramm Abfall eingespart werden. Allein im Jahr 2023 sparte das Medical Remanufacturing von 527 EP-Kathetern rund 463 Kilogramm CO2-Äquivalente und fast 46 Kilogramm Abfall ein. Insgesamt entspricht das der Menge, die rund 115 Bäume pro Jahr binden können. Hochgerechnet auf zehn Jahre Zusammenarbeit wird deutlich, wie groß der langfristige Effekt dieses Ansatzes ist. Dieses Beispiel macht greifbar, welches Potenzial bereits in einzelnen Produktgruppen steckt, bevor Recycling überhaupt notwendig wird.
(Quelle: Case-Study Marien Gesellschaft Siegen)
Was Kliniken vom Verkauf von gebrauchten Medizinprodukten haben
- Mehr Wirkung pro Produkt
Recycling ist wichtig, aber Remanufacturing setzt früher an: Es erhält den Produktwert im Kreislauf, bevor Rohstoffe wieder getrennt werden. Das bedeutet konkret: Ein Produkt wird nicht sofort zum Abfall, sondern bleibt als funktionierendes Medizinprodukt mit entsprechend höherem Nutzen im Einsatz.
- Ein zusätzlicher Hebel für Ressourcenschonung
Wer Produkte dem Remanufacturing zuführt, trägt dazu bei, Ressourcen länger im System zu halten – ein praktischer Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen. Den gerade bei komplexen Produkten wie Ultraschallscheren oder EP-Kathetern zeigt sich, dass der größte ökologische sowie ökonomische Impact nicht im Recycling, sondern in der Verlängerung der Nutzung liegt.
- Ein unkomplizierter Prozess, der sich in den Alltag integrieren lässt
Wenn Zuständigkeiten, Bereitstellung und Dokumentation einmal klar sind, wird Verkauf zu einer Routine – ohne großen Zusatzaufwand. Erfahrungen aus Kliniken zeigen: Der Mehraufwand für Sammlung und Bereitstellung ist minimal und lässt sich gut in bestehende Abläufe integrieren.
Häufige Fragen aus Einkauf & Verwaltung:
Es gibt doch Recyclingprogramme, warum dann verkaufen?
Recyclingprogramme sind ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Strategien. Viele Hersteller (OEM) bieten bereits eigene Rücknahme- oder Recyclingprogramme an. Diese sind sinnvoll, greifen aber erst am Ende des Produktlebenszyklus. Der Verkauf zur Aufbereitung ergänzt diese Programme, weil er einen Schritt früher ansetzt: Wo Remanufacturing möglich ist, bleibt der Wert des Produkts länger erhalten. Recycling bleibt weiterhin sinnvoll, nur eben als nächster Schritt, wenn eine Aufbereitung nicht mehr infrage kommt.
Lohnt sich der Verkauf auch wirtschaftlich?
Ja. Neben den ökologischen Effekten kann der Verkauf gebrauchter Medizinprodukte auch einen finanziellen Vorteil bringen. Statt Produkte nach der Nutzung direkt zu entsorgen oder kostenpflichtig dem Abfallstrom zuzuführen, können Kliniken für geeignete Produkte eine Vergütung erhalten. Das schafft einen zusätzlichen Anreiz, Kreislaufwege strukturiert aufzusetzen – nicht nur aus Nachhaltigkeitsperspektive, sondern auch mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Ressourceneinsatz. Gerade in Zeiten hohen Kostendrucks kann das ein pragmatischer Hebel sein, um ökologische und ökonomische Ziele besser zusammenzubringen.
Warum wird der Verkauf im Klinikalltag trotzdem manchmal kritisch gesehen?
In der Praxis gibt es häufig Vorbehalte – insbesondere im Zusammenspiel zwischen ärztlichem Personal und Herstellern:
- Kliniken stehen oft in engem Austausch mit OEM-Vertreter und möchten bestehende Beziehungen nicht belasten.
- Teilweise wird aktiv vom Ankauf abgeraten, etwa mit Verweis auf Service oder Support-Abhängigkeiten.
- Die Entscheidung wird häufig an Pflege oder Verwaltung weitergegeben, ohne dass das Thema strategisch bewertet wird.
Gerade deshalb ist es wichtig, das Thema faktenbasiert einzuordnen und organisatorisch sauber zu verankern.
Schaffen Kreislaufwege einen Vorteil oder geht es am Ende um fairen Zugang?
Kreislaufmodelle leisten mehr als einen wirtschaftlichen Effekt im Einzelfall. Sie können dazu beitragen, nachhaltige Medizintechnik breiter in die Versorgung zu bringen und den Zugang zu ressourcenschonenden Lösungen zu verbessern. Entscheidend ist dabei nicht der Wettbewerb zwischen einzelnen Akteuren, sondern die Frage, wie Kreislaufwege so etabliert werden, dass sie für möglichst viele Einrichtungen nutzbar werden. Je selbstverständlicher Remanufacturing in bestehende Prozesse integriert wird, desto eher wird nachhaltige Medizintechnik vom Einzelfall zum Standard.
So einfach funktioniert der Verkauf in der Praxis
Damit es im Klinikalltag reibungslos läuft, braucht es vor allem drei Bausteine:
- Klare Zuständigkeiten
Wer sammelt die Produkte, wer meldet die Bereitstellung und wer koordiniert den weiteren Ablauf?
- Standardisierte Bereitstellung
Zum Beispiel über Vanguard-Boxen, in denen die Produkte gesammelt und für den Weitertransport bereitgestellt werden.
- Nachvollziehbare Dokumentation
Übergabe, Wareneingang und Rückverfolgbarkeit sind transparent geregelt – so entsteht Sicherheit im Prozess.
In der Praxis bedeutet das: Produkte werden nach der Anwendung vorbereitet, in den vorgesehenen Vanguard-Boxen gesammelt und für den Weitertransport bereitgestellt. Die weitere Organisation erfolgt dann je nach Land unterschiedlich: In Deutschland können Abholungen automatisch in abgestimmten Intervallen oder über den Kundenservice organisiert werden, im Ausland meldet die Einrichtung die Bereitstellung und die Abholung wird anschließend koordiniert. Die Boxen werden für den Transport versiegelt bzw. verplombt und über einen externen Dienstleister abgeholt – ein Ablauf, der sich gut in bestehende Prozesse integrieren lässt.
Unser Ziel
Wir möchten Kliniken dabei unterstützen, Medizinprodukte nicht vorschnell aus dem Kreislauf zu nehmen, sondern sie – wo möglich – zuerst dem Remanufacturing zuzuführen. So entsteht ein zusätzlicher, konkreter Beitrag zu Ressourcenschonung und nachhaltiger Medizintechnik.
Sie möchten prüfen, wie sich Verkauf bei Ihnen integrieren lässt?
Dann melden Sie sich gern. Wir erklären den Ablauf Schritt für Schritt und schauen gemeinsam, wie sich der Prozess pragmatisch in Ihren Klinikalltag einfügt.




