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Neue Studie zur EP-Beschaffung in Europa: Warum Zugang, Innovation und Nachhaltigkeit oft an Einkaufsprozessen hängen

Produkte der Elektrophysiologie sind essenziell für sichere und effektive Ablationen. Gleichzeitig werden diese Produkte in vielen Ländern weiterhin wie reine Kostenpositionen behandelt. Eine neue Analyse in EP Europace hat erstmals länderübergreifend untersucht, wie öffentliche Beschaffung für EP-Verbrauchsmaterial in 21 europäischen Ländern organisiert ist - und was das für Patientenversorgung, Innovationszugang und Nachhaltigkeit bedeutet.
9. April 2026
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Was wurde wie untersucht?

Die Autoren haben 22 halbstrukturierte Interviews mit EP-Klinikern, Beschaffungs-Experten und Stakeholdern aus 21 Ländern geführt und die Ergebnisse entlang eines strukturierten Rahmenwerks ausgewertet. Im Fokus standen Governance/Procurement-Level, Bewertungskriterien, klinische Einbindung, Innovationszugang, Erstattung/Funding sowie Nachhaltigkeit.

Die wichtigsten Ergebnisse

  1. Europa beschafft nach sehr unterschiedlichen Logiken
  2. Kliniker sind häufig beteiligt, aber nicht immer „auditfest“ verankert
  3. Innovationszugang ist fragmentiert und hängt am Systemdesign
  4. Nachhaltigkeit wird selten als Kriterium bewertet, obwohl der Impact bekannt ist

Nachhaltigkeit als blinder Fleck im Beschaffungsprozess

Die Autoren benennen einen klaren Widerspruch: In der Elektrophysiologie entstehen durch Single-use-Katheter und umfangreiche Verpackung relevante Abfallmengen. Gleichzeitig sind Umweltkriterien in Beschaffungsrahmen selten explizit verankert. Dabei gibt es laut Paper eine hohe Awareness in der Fachcommunity, aber die Beschaffungssysteme übersetzen das häufig nicht in messbare Kriterien. Erste Ansätze entstehen dennoch. In Schweden und die Niederlande pilotieren „Green Procurement“-Scorings, etwa über Lifecycle-Ansätze und Waste-Reduktion; diskutiert werden u. a. Wiederverwendbarkeit, Verpackungsvolumen und CO₂-Fußabdruck.

Warum das für Remanufacturing und Kreislaufmodelle entscheidend ist

Für uns ist diese Studie aus zwei Gründen besonders relevant:

1. Beschaffung ist ein Hebel für Versorgungssicherheit und Innovation:

Wenn Innovation in manchen Systemen nur über Re-Ausschreibungen oder starre Pfade möglich ist, führt das zu Verzögerungen. Selbst wenn klinisch sinnvolle Technologien verfügbar sind. Genau deshalb betont die Studie die Bedeutung von klinischer Einbindung und value-based Ansätzen, um Beschaffung stärker an Versorgungsergebnissen auszurichten.

2. Nachhaltigkeit braucht Kriterien, nicht nur Absichtserklärungen:

Die Studie zeigt sehr klar: Solange Nachhaltigkeit nicht als bewertbares, vergleichbares Kriterium im Tender auftaucht, bleibt sie im Alltag oft nachrangig. Gleichzeitig werden genau die Indikatoren genannt, die für zirkuläre Modelle relevant sind (Lifecycle, Waste, Reusability, Reprocessing-Policies). Wichtig, denn: Remanufacturing und kontrollierte Aufbereitung sind dann skalierbar, wenn Beschaffung nicht ausschließlich kurzfristige Anschaffungskosten betrachtet, sondern Lebenszyklus- und Qualitätsmetriken mitführt.

Drei praxisnahe Takeaways, die man aus der Studie ableiten kann

  • Klinische Expertise fest in den formalen Beschaffungsentscheidungen verankern, statt sie nur informell einzuholen.
  • Beschaffungskriterien so weiterentwickeln, dass nicht nur der Preis, sondern auch Qualität, Behandlungsergebnisse und langfristige Effekte in die Bewertung einfließen.
  • Nachhaltigkeit messbar machen (Lifecycle, Waste, Reusability, Carbon) und in Scorings überführen, weil genau dort sich Einkaufspraxis und Umweltziele verbinden lassen.

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